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Begegnungsstätte im Turm der Martin-Luther-Gemeinde Findorff

"Reise in unbekannte Welten“ – digitale Medien für Senior:innen

Im August 2020 habe ich die Leitung der Begegnungsstätte in Findorff übernommen, von Anfang an unter den vorgegebenen Hygienemaßnahmen durch die Corona-Pandemie. Im November wurden alle Gruppen und Veranstaltungen durch den „Lockdown light“ eingestellt. Die Post und das Haustelefon stellten sich als verlässlichste Kommunikationswege heraus, um die Besucher*innen unserer Einrichtung zu erreichen. Selbstverständlich gibt es auch Besucher*innen, die ein Smarthone haben oder auch Mails empfangen und verschicken. Ein Teil der Besucher*innen formulierte jedoch sehr deutlich, dass er sich „abgehängt“ fühle. Sie sahen zuvor keinen Anlass, in ihrem Alter mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Nun jedoch stellten sie fest, dass „es so schön wäre, mal mit der Familie zu sprechen und sie dabei zu sehen. Oder Fotos zu bekommen. Briefe schickt ja kaum noch jemand“. Ein sehr eindrückliches Erlebnis war, dass eine ältere Besucherin, die seit dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren allein lebt und sich mit ihrem neuen Alltag gut arrangiert hat, das erste Mal eine Videokonferenz erlebt hat. Zweimal jährlich kommt ihr Sohn nach Bremen, der seit Jahren in Kolumbien lebt. Dies fiel in diesem Jahr aus, gerade nun auch zu Weihnachten. Ich habe ihr zweimal eine Videokonferenz ermöglicht – das Ergebnis waren strahlende Augen und die Erkenntnis: „Wenn ich gewusst hätte, was alle möglich ist!“ Gefunden war eine erste Interessentin. Diese kleine Unterstützung hat sich im Bekanntenkreis der Besucherin herumgesprochen, so dass mehrere Interessent*innen, vornehmlich Frauen, gern herangeführt würden an die Nutzung eines Tablets oder Smartphones.
Darüber hinaus ist zu beobachten, dass diejenigen, welche bereits ein Smartphone oder auch Tablet oder auch einen Laptop nutzen, immer wieder vor Schwierigkeiten stehen, da sich ihre Herangehensweise oft von der intuitiven Nutzung der heutigen Geräte unterscheidet. Der Mut, „einfach“ auf einen Button zu drücken, fehlt. Die älteren Nutzer*innen sind mit Handbüchern und Bedienungsanleitungen groß geworden. Die eigenen Kinder reagieren oft genervt und „richten es wieder ein oder machen es einfach“ für ihre Eltern, so dass es kaum Lerneffekte gibt. Erklärungen fehlen ebenso wie eine entspannte Begegnung in Bezug auf dieses Themenfeld.
So entstand die Idee, zwei Angebote zu kreieren:
Eine Sprechstunde für die älteren Nutzer*innen von Smartphone, Tablet und Laptop. Dort können sie ihre Fragen vorbringen und erhalten Hilfe in Form von Erklärungen, eine verständliche Anleitung zum „do-it-yourself“ und Bestärkung.
Dazu ein 1:1-Coaching für Neulinge in Bezug auf digitale Medien. Hierbei geht es darum, an ein Gerät (Emporia-Smartphone oder Tablet) herangeführt zu werden, kontinuierlich begleitet und geschult zu werden, um im Anschluss selbständig und vor allem sicher ein Gerät zu bedienen, die Funktionen zu kennen und für die eigenen Zwecke und Interesse und zu nutzen.